Langjähriger Stadt- und Kreisrat Alfons Kettner im Alter von 85 Jahren kurz vor dem Jahreswechsel gestorben
Burghausen. Über mehrere Jahrzehnte prägte er die Geschicke der Kommunalpolitik im Landkreis und seiner Heimatstadt Burghausen mit, saß Alfons Kettner doch 24 Jahre für die SPD im Kreistag und gar 38 Jahre im Stadtrat. Er galt als einer der „treuesten und wichtigsten Mitstreiter“ von Altbürgermeister Hans Steindl, wie dieser sagt. Kurz vor der Jahreswende ist der „Kettner Fonse“, wie er bei seinen Freunden bekannt war, im Alter von 85 Jahren gestorben.
Alfons Kettner wurde am 6. Mai 1940 im damaligen Burghauser Krankenhaus in der Mautnerstraße geboren. Aufgewachsen bei Pflegeeltern, erhielt er früh eine solide Lebensbasis, die ihn prägte. Nach der Volksschule begann er 1954 eine Lehre zum Maschinenschlosser bei der Wacker Chemie, die er 1957 erfolgreich abschloss. Sein ausgeprägter Wille zur Weiterentwicklung zeigte sich schon bald: Es folgten mehrere Jahre des Gesellenwanderns, bevor er ab 1963 wieder bei Wacker tätig war – zunächst in der Hauptwerkstatt, später in verantwortungsvollen Funktionen.
Ab 1965 engagierte sich Alfons Kettner als freigestellter Betriebsrat für die Belange der Beschäftigten. Dieses Amt übte er mit Umsicht und Verlässlichkeit bis zu seiner Pensionierung Mitte des Jahres 2000 aus, zuletzt als Betriebsratsvorsitzender und Mitglied des Konzernbetriebsrats. Für viele Generationen von Wacker-Mitarbeitern bleibt sein Name untrennbar mit der Arbeit- nehmervertretung verbunden.
Da passt es ins Bild, dass er sich über mehrere Jahrzehnte in der Kommunalpolitik engagierte. Für die SPD, deren Mitglied er mehr als sechs Jahrzehnte war, gehörte er zwischen 1. Januar 1970 und dem 30. April 2008 dem Burghauser Stadtrat an. Zwischen 1972 und 1996 hatte er zudem Sitz und Stimme im Altöttinger Kreistag. Seine ruhige, ausgleichende Art verschaffte ihm fraktionsübergreifend große Wertschätzung. Kettner war im Laufe seiner Stadtratstätigkeit in fast allen Ausschüssen vertreten; der Bauausschuss und die Stadtentwicklung waren jedoch seine Lebensaufgabe. „Seine ganze Haltung war geprägt von der Liebe zur Stadt Burghausen und ihren Bürgern“, schreibt das Rathaus in seinem Nachruf. Bürgermeister Florian Schneider verpackte es auf der Trauerfeier so: „Er kannte jeden Ziegelstein in Burghausen.“
1989 erhielt der Verstorbene vom Freistaat Bayern die Kommunale Dankurkunde für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung. Zudem verlieh ihm der Stadtrat 2008 die Goldene Ehrennadel für seine jahrzehntelange Stadtratstätigkeit.
Sein privates Glück fand Alfons Kettner 1968, als er auf einer von Wacker organisierten Erholungsfreizeit seine spätere Ehefrau Ortrun kennenlernte. Das Paar heiratete 1969 und bekam zwei Kinder, Michaela und Robert. Zur Familie gehören heute auch die Enkel Philipp und Luisa.
In seiner Freizeit galt seine große Leidenschaft dem Kajakfahren, das er selbst liebevoll „Schifferlfahrn“ nannte. Seit dem Kauf seines ersten Faltboots im Jahr 1960 bereiste er zahlreiche Flüsse in ganz Europa und knüpfte dabei langjährige Freundschaften. Dabei galt sein Augenmerk auch dem Fluss vor der Haustüre: Die freifließende Salzach, für die jedes Jahr Paddler und Naturschutzverbände demonstrieren, war ihm ein wichtiges Anliegen. Ebenso verbunden war er über Jahrzehnte seiner Ski-Clique. Vielen Burghausern ist er zudem als „Heiliger Nikolaus“ in Erinnerung, mit dem er über Jahre Kinder und Senioren erfreute.
Trotz der 2019 diagnostizierten Parkinson-Erkrankung stellte sich Alfons Kettner den zunehmenden Einschränkungen mit großer Gelassenheit. Bis zuletzt blieb er offen, freundlich und interessiert an seinem Umfeld. Zugesetzt hat ihm der Tod seiner geliebten Frau im Februar 2025. Nach einem Sturz und einer Operation verstarb er am Abend des 28. Dezember im Alter von 85 Jahren. Burghausen verliert mit ihm eine engagierte Persönlichkeit, die das öffentliche Leben über viele Jahrzehnte mitgeprägt hat.
−red/ala