Die Jusos sind wieder am Start

02. April 2026

In ihrer Unterbezirkskonferenz in Burghausen analysiert die SPD-Führung im Landkreis die Kommunalwahl und freut sich, dass die Jusos einen Neustart machen.

Ein altgedienter Genosse, dem es der sprichwörtlichen blauen Augen zwar allmählich zu viele werden, der aber nichtsdestotrotz unverzagt für seine politischen Ideale einsteht, ein Kandidat, der – wiewohl deutlich unterlegen – von Kampfeslust beflügelt bereits die Landratswahl 2032 im Blick hat, und vier junge Menschen, die willens sind, mit ihrem Engagement als Jungsozialisten eben jene vom sozialdemokratischen Senior beklagten blauen Augen vergessen zu machen: die Delegierten-Konferenz des SPD-Unterbezirks Altötting im Bürgerhaus im Zeitraffer.
Jürgen Gastel, Vorsitzender der Landkreis-SPD mit ihren 13 Ortsvereinen, versucht sich bei seiner Analyse der Kommunalwahl und beim Blick auf die „große Politik“ in filigraner Nuancierung auf der emotional ziemlich breitgefächerten Skala zwischen tiefer Trübsal und himmelhohem Jauchzen. „Am 8. März hatte der Wähler das Wort. Er hat uns nicht belohnt, aber auch nicht abgestraft“, so sein generelles Resümee. Trotz des Verlust eines Kreistagsmandats – acht statt aktuell neun – sei jedoch der Generationswechsel geglückt. Man dürfe dabei nicht außer Acht lassen, dass ein Stimmenmagnet wie Hans Steindl nicht mehr angetreten ist.
Über 80 Prozent der Bürger haben demokratisch gewählt

Vom Grundsatz her sei man „nochmals mit einem blauen Auge davongekommen“, allerdings stelle er sich die Frage, „das wievielte blaue Auge es schon gewesen ist“. Als äußerst erfreulich bewertet der Unterbezirksvorsitzende hingegen den Umstand, im Verlauf des Kommunalwahlkampfs 27 neue Mitglieder gewonnen zu haben. Kritisch bewertet Gastel rückblickend die Wahlkampfstrategie, sich am Kampf mit der AfD aufgerieben zu haben. Man müsse jene mehr als 80 Prozent der Wählerschaft, die für demokratische Parteien gestimmt hat, wieder verstärkt in den Fokus nehmen.
Beim Blick auf die Bundespolitik sieht Jürgen Gastel im Glaubwürdigkeitsproblem der SPD Anlass zur Sorge. „Der klare Fokus muss auf die Mitte der Gesellschaft gelegt werden, dies ist Voraussetzung für den Fortbestand der SPD als wichtige politische Kraft in Deutschland!“ Als bedenklich erachtet es Gastel, dass in der von vielen als „Friedenspartei“ wahrgenommenen SPD mittlerweile der Verteidigungsminister der beliebtester Politiker sei. Und: „Wenn die Mehrheit in unserem Lande glaubt, die SPD kümmere sich mehr um Bürgergeldempfänger als um die hart arbeitende Mitte, dann ist das mehr als ein Alarmsignal!“ Auch bezahlbares Wohnen habe sich die SPD auf die Fahnen geschrieben, Fakt sei hingegen, dass die Mieten steigen. Das könne, das dürfe nicht der Weg der SPD sein.
Wie der Kommunalwahlkampf in den Finanzen des Unterbezirks seinen Niederschlag gefunden hat, darüber informiert Kassier Ernst Huber. Gegenüber Jahresbeginn 2025 sei „der Kassenstand um 19 967 Euro abgeschmolzen“, das Guthaben zum Jahresende 2025 beziffert er mit 15 646 Euro. Revisor Thomas Strohmeier hatte an Hubers Arbeit nichts auszusetzen.

Wir müssen mehr über das reden, was wir als SPD machen!

„Viel Positives“ habe er aus dem Wahlkampf mitgenommen und ebenso die Erkenntnis, dass „Zuhören immens wichtig ist“, so das Resümee von Holger Gottschalk aus dem Rennen um die Nachfolge von Landrat Erwin Schneider. Sein Ergebnis erachtet Gottschalk als respektabel, räumt aber ein, er hätte statt der erreichten 9818 Stimmen gerne eine fünfstellige Zahl auf sich vereint. Eine weitere Lehre aus dem Wahlkampf: „Wir müssen mehr über das reden, was wir als SPD machen!“

„Jungen Menschen eine Stimme geben, Gemeinschaft schaffen“, das ist für Maxim Winter aus Burgkirchen die Motivation, sich auf lokaler Ebene an exponierter Stelle im SPD-Parteigefüge zu engagieren. Der 30-Jährige, von Beruf Geschäftsführer des Kreisjugendrings Altötting, übernimmt den Vorsitz der im Rahmen der Delegiertenkonferenz wiedergegründeten Jusos. Als stellvertretender Vorsitzender der sozialdemokratischen Nachwuchsorganisation steht ihm der 18-jährige Schüler Peter Wetsch aus Unterneukirchen zur Seite. Als Schriftführerin fungiert die 30-jährige Tatjana Schwarz aus Marktl, von Beruf Kreisjugendpflegerin, als Beisitzerin die 15-jährige Schülerin Elisabeth Heisler aus Marktl.
Die beiden Juso-Vorsitzenden sind kraft ihrer Ämter auch zu Delegierten für den Unterbezirk Altötting und den SPD-Bezirk Oberbayern bestellt worden. Den Unterbezirk Altötting wiederum vertreten beim oberbayerischen Bezirksparteitag Martina Völzke, Jürgen Gastel und Holger Gottschalk als Delegierte, beim Landesparteitag Holger Gottschalk und Mirjam Luttenberger. Als Ersatzdelegierte stellen sich gegebenenfalls Anne-Kathrin Endres, Johanna Friebertshäuser, Christian Ferderer, Jürgen Fernengel, Heinz Sedlmeier, Maxim Winter und Magdalena Jung-Plank zur Verfügung.

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