Alte Weggenossinnen und Weggenossen sind ebenso gekommen wie Fraktionskolleginnen und Fraktionskollegen aus dem Kreistag: Die SPD-Fraktion hat Hans Steindl am Donnerstagabend, 23. April, im Klostergasthof Raitenhaslach in den „ämterlosen Ruhestand“ verabschiedet.
Der 76-Jährige hat 2020 zwar bereits sein Bürgermeisteramt in Burghausen abgegeben. Ab 1. Mai endet nun auch seine Zeit als Kreisrat. Stolze 54 Jahre lang saß Steindl im Kreistag. Manche Anekdote aus dieser langen Zeit war im Laufe des Abends zu hören. Steindl resümierte sie ausführlich – und gewürzt mit klaren politischen Standpunkten.
Zusammen mit Ehefrau Evelyn begrüßte Steindl die Genossinnen und Genossen bei einem Stehempfang im sonnigen Hof bei einem Glas Burghauser Jubiläumswein. Im Gasthaus hielt die 90-jährige Erika Mauerer die erste Laudatio: Dass es damals, Anfang der 1970er, in Raitenhaslach genau zwei Sozialdemokraten gegeben hatte, wusste sie noch: Nämlich sie selbst und den Hans. Mit einem grünen Anzug sei der damalige Jungsozialist dahergekommen, der überall zerrissen war und „fürchterlich greislich“ ausgesehen hat, erzählte sie. Sie habe ihm dann klar gemacht, dass er sich ordentlich anziehen müsse, wenn er Bürgermeister werden will – und im Wahlkampf nicht 24 Fremdwörter in einer Rede verwenden dürfe, zumal wenn er diese in einem Wirtshaus hält.
Florian Schneider, der Hans Steindl als SPD-Fraktionssprecher im Kreistag ebenso beerbt hat wie als Burghauser Bürgermeister, verschaffte den Anwesenden alsdann einen Eindruck von der fremdwörtergespickten Sprache des Jungsozialisten Hans Steindl: Er hatte ein Interview ausgegraben, das dieser dem Burghauser Anzeiger 1972 anlässlich seines ersten Einzugs in den dortigen Stadtrat gegeben hatte. Überschrift: „Erkenntnisse aus dem Soziologiestudium in der Praxis erproben“.
Im Mai 1972 zog Steindl nicht nur in den Burghauser Stadtrat ein, sondern auch in den Altöttinger Kreistag. Erstmalig seit damals stand sein Name heuer bei der Kreistagswahl nicht mehr auf dem Stimmzettel – zum 1. Mai 2026 endet somit sein Kreistagsmandat nach 54 Jahren. Von einer „Lebensleistung“, sprach Schneider und wollte wissen: „Hans, warum bist du eigentlich in die Politik gegangen?“ Das Freizeitheim war damals der Hauptgrund, erinnerte sich dieser, das er damals mit anderen jungen Leuten aus der Taufe gehoben hat. Schneider lobte Steindls Gespür, nahe am Menschen zu sein, zu merken, was sie bewegt und daraus dann auch politisch etwas zu machen.
Steindl selbst erinnerte sich, dass er es damals, als „bissl aufsässiger“ Jungsozialist mit schulterlangen Haaren und Vollbart nicht immer einfach hatte im Kreistag – zumal er als damals 22-Jähriger eigentlich gar nicht gewusst habe, wofür ein Kreistag überhaupt zuständig ist. „Eine einzige Fahrerei“ sei es damals gewesen: Studium in München, Fußballspielen im Verein, Wahlkampftermine, Sitzungstermine – er habe mehr Zeit im Auto verbracht als im Hörsaal. Etwa 850 Sitzungen auf Kreisebene habe er in 54 Jahren absolviert, dafür etwa 25 000 Kilometer zurückgelegt. Er erinnerte an die Anfangszeit, in der die SPD-Fraktion im Kreistag etwa doppelt so stark war wie heute, es zudem eine starke Gewerkschaftsbewegung gab. 18 Wahlkämpfe habe er hinter sich, kenne daher sämtliche Wirtshäuser weit und breit: Bei den Wahlkampfreden sei dort immer sein Ziel gewesen, dass selbst die Kartenspieler die Karten hinlegen und zuhören.
Eine Amtsperiode wollte er damals eigentlich nur im Kreistag bleiben, erinnerte er sich. Doch seine starken Wahlergebnisse hätten ihn motiviert, doch weiterzumachen: In 10 von 24 Orten habe er sogar mehr Stimmen gehabt als der amtierende Landrat Seban Dönhuber. Sichtlich sauer aufgestoßen hat den Burghauser Altbürgermeister eine Aussage des gewählten Landrats Tobias Windhorst in der jüngsten Kreistagssitzung zum Burghauser Campus: Burghausen habe den Campus gewollt, also müsse die Stadt jetzt auch dafür zahlen.
Steindl zählte eine lange Reihe von Projekten auf, bei denen Burghausen freiwillig den „Zahlmeister“ gemacht habe, um sie zu ermöglichen, obwohl eigentlich nicht zuständig. Jetzt gehe es der Stadt finanziell mal nicht so gut, deshalb müsse beim Campus der Freistaat einspringen, der ja ohnehin zuständig sei. Er warnte vor einem neuen Machtblock Töging-Alt/Neuötting im Landkreis: Da müsse man aufpassen, dass Burghausen nicht auf der Seite liegenbleibe. Der Prüfstein sei die Realschule: Diese dürfe sich Burghausen nicht nehmen lassen. Sorgen bereiten ihm die schlechten SPD-Wahlergebnisse auf Bundes- und Landesebene. „Um die SPD-Vorherrschaft in Burghausen mache ich mir vorerst keine Sorgen“, sagte er.
Kreisrätin Johanna Schachtl bedankte sich im Namen der jungen Generation bei Steindl für alles, was er für ihre Heimatstadt erreicht hat. „In Burghausen habe ich nur ehrfürchtig über dich reden gehört.“
-smi